Anleitung zum Quilt nähen – auch für Nähanfänger

Wie geht Quilten

Diese fantastische Tagesdecke (zugegeben: nichts für Leute, die es schlicht und uni mögen) war das Hochzeitsgeschenk für meine Schwester und ihren Mann. Ich fand die Symbolik (handgemacht, was fürs Schlafzimmer etc.) sehr schön für eine Hochzeit. Da ich schon ahnte, dass das eine Heidenarbeit werden könnte, habe ich zur Sicherheit vorher nachgefragt, ob man sich denn über dieses Geschenk überhaupt freuen würde – auch wenn die Überraschung dann natürlich nicht mehr sooo riesig war 😉

Beliebt sind solche Patchworkdecken auch als Babydecke, insofern sind sie auch ein tolles Geschenk zur Geburt! Dann reicht natürlich eine kleinere Größe, eher so 1m x 1m.

Was ist ein Quilt

Falls ihr mit dem Begriff Quilt nichts anfangen könnt: Das ist im Prinzip das Gleiche wie eine Patchworkdecke. Quilten heißt auf englisch „steppen“ und bezieht sich auf den letzten Arbeitsschritt. Denn da werden die (meist) drei Lagen – obere Seite, untere Seite und Füllung in der Mitte – zusammengesteppt. Per Hand (wer’s mag), oder mit der Nähmaschine. Ihr ahnt, wofür ich mich entschieden habe.

Gesteppt wurde schon im alten China und im Mittelalter auch in Europa (die Wämser, die Ritter unter ihren Rüstungen trugen), aber das, was heute als Quilt verstanden wird, ist von den amerikanischen Siedlern entwickelt worden. Sie haben damals in geselliger Runde Stoffreste zusammengenäht, und sich dabei Geschichten erzählt. Daraus ist ein ganzes Kunsthandwerk entstanden, denn man kann die Stoffstücke natürlich nicht bloß als Quadrate zuschneiden, sondern auch als Dreiecke, Rauten und was weiß ich nicht noch alles. Daraus lassen sich die verschiedensten Muster kombinieren. Da dies hier aber mein erster Quilt war, wollte ich es nicht unnötig kompliziert machen.

Ach ja, kleine Vorwarnung: Das Ganze ist kein wirklich günstiger Spaß, zumindest nicht in der Größe und wenn man halbwegs schöne Stoffe nehmen möchte…

Welche Stoffe geeignet sind

Also das hier ist meine Stoffauswahl:

Stoffkombination Quilt

Am besten geeignet sind glatte, nicht-dehnbahre Baumwoll- oder Leinenstoffe, die nicht zu dünn sein sollten. Also eher Canvas als Futterstoff. Und im Idealfall haben die Stoffe auch alle eine ähnliche Festigkeit, aber das ist nicht ganz so entscheidend.

Material:

  • Stoff und Volumenvlies (Menge siehe unten)
  • viiiel Garn
  • Obertransportfuß für die Nähmaschine – kein Muss, aber praktisch (gibts im Internet, Kosten zwischen 17 und 30€ ca.. Achtet darauf, dass er passend für eure Nähmaschinenmarke ist! )
  • Ersatznadeln für die Nähmaschine (mir sind ganze drei Stück abgebrochen)
  • Schneidematte (ist grün und hat gelbe Linien drauf) –> HIER findet ihr die Schneidematte und das andere Zubehör genau beschrieben, mit Foto
  • Patchworklineal (für die rechten Winkel)
  • Rollschneider (sieht aus wie ein großer Pizzaroller)
  • lange Stecknadeln

-> Ein Spartipp: Schneidematte, Lineal, Rollschneider, Stecknadeln und noch einen Stoffmarker gibt es als „relativ“ günstiges Set zu kaufen – da sind Lineal und Schneidematte zwar nicht besonders groß, aber man kommt hin. Ist als Näherstaustattung auch für andere Projekte sehr praktisch! Ich weiß, wovon ich spreche 🙂

Anleitung:

1. Größe des Endprodukts festlegen  (in meinem Fall: 210 cm x 210 cm)

2. Stoffe aussuchen (Ich hab mich entschieden, pro Reihe 10 Kästchen zu machen, in 10 verschiedenen Farben. Ergo: 10 Stoffe). Denkt bei der Berechnung der Menge daran, dass jedes Kästchen noch eine Nahtzugabe braucht UND dass die Decke ja auch noch eine Rückseite hat! Die besteht in der Regel aus einem Stoff, nicht aus bunten Kästchen, aber auch der muss einkalkuliert werden. Und schließlich braucht ihr noch Stoff für die Umrandung, das sogenannte „Binding“.

Modellrechnung für diesen Quilt:

210 cm x 210 cm mit 10 Kästchen pro Reihe ergibt eine Kästchengröße von 21x21cm. Dazu die Nahtzugabe, macht 23×23 cm. Davon insgesamt 100 Kästchen, verteilt auf 10 Stoffe.

Bei einer Stoffbreite von 140 cm bekommt ihr 6 Kästchen nebeneinander und braucht demnach eine Höhe von 46 cm (plus Puffer fürs Einlaufen beim Waschen. Also besser 50 cm). Sprich: pro Stoff jeweils 50 cm -> Das ist nur für die Vorderseite und ohne Umrandung gerechnet!

Bei einer Stoffbreite von 110 cm (wie es leider bei Patchworkstoffen oft der Fall ist) bekommt ihr nur 4 Kästchen nebeneinander. Das heißt, ihr müßt in diesem Fall pro Stoff 69 cm Höhe rechnen, mit etwas Puffer fürs Einlaufen 75-80 cm!

Für die Rückseite 210 x 210 cm irgendwie zusammenstückeln, dabei pro Stück noch rundrum 1 cm Nahtzugabe rechnen.

Für die Umrandung braucht ihr 4 x 210 cm Länge und ca. 20 cm Breite.

Insgesamt ein Haufen Stoff also 😉

3. Dickes Volumenvlies aussuchen (es gibt verschiedene Stärken, auch Sorten zum Aufbügeln. Ich habe normales Volumenvlies genommen, welches zum Aufbügeln wäre aber glaube ich schlauer gewesen ..)

Volumenvlies

4. Stoffe zur Sicherheit einmal waschen (damit sie nicht NACH dem Zusammennähen beim Waschen einlaufen) und bügeln.

5. Eine große Fläche in der Wohnung freiräumen 😉

6. Mit Hilfe von Schneidematte, Lineal und Stoffmesser exakte Quadrate zurechtschneiden (inkl. 1 cm Nahtzugabe auf allen Seiten).

7. Quadrate in Reihen arrangieren –  ob ihr bunt durchmischt oder die verschiedenen Stoffe symmetrisch anordnet, ist reine Geschmackssache! -> Tipp: Wenn ihr eine Anordnung gefunden habt, die euch gefällt, am besten einmal fotografieren! Dann könnt ihr später nochmal nachgucken, was wohin gehört.

8. Jeweils alle Stoffteile aus einer Reihe zusammennähen (rechte Stoffseiten innen). Auf der linken Seite am besten mit Stoffmarker die Nummer der Reihe notieren, dann kommt ihr später nicht durcheinander!

9. Nahtzugaben flachbügeln. TIPP: Die Nahtzugaben aller geraden Reihen nach links bügeln, die der ungeraden Reihen nach rechts.

10. Jeweils zwei Reihen zusammenstecken und -nähen (rechte Stoffseiten innen). Da die Nahtzugaben in unterschiedliche Richtungen gebügelt wurden, kann man die schön bis zum Anschlag gegeneinader schieben und erhält so ganz exakt zusammenpassende Nähte. (Hoffe, das Prinzip ist klar geworden? Sonst einfach nachfragen!)

11. Jetzt solltet ihr ein gigantomanisches Stoffstück haben. Wenn nicht, ist irgendwas schrecklich schief gelaufen….

12. Stoff für die Rückseite auf die gewünschte Größe zusammennähen bzw. zuschneiden – auf dem Fußboden glatt ausbreiten (linke Seite oben).

13. Ebenso mit dem Volumenvlies verfahren, auf den Rückseitenstoff legen.

TIPP: Damit die Mitten übereinanderliegen, beim Stoff und beim Vlies jeweils die Mitte jeder Seite mit einer Stecknadel markieren. Die Nadeln beider Lagen aneinander ausrichten.

14. Als letztes die obere Stofflage aus Quadraten drauflegen, rechte Seite oben. Ebenso markieren und ausrichten wie die beiden anderen Lagen. Mit den langen Stecknadeln alle drei Lagen zusammenstecken.

15. Jetzt beginnt der unhandliche Teil: Alle Nähte der oberen Stoffschicht müssen noch einmal nachgenäht werden, und zwar dieses Mal durch ALLE DREI LAGEN! Problem dabei: Ihr habt ein gigantisches Deckenungetüm, das ihr irgendwie durch die Nähmaschine bugsieren müsst…. Am praktischsten ist es, die Decke zusammen zu rollen und nur den Teil aufzurollen, an dem ihr gerade näht. Ich habe im Internet auch Tipps gelesen, beim Nähen Noppenhandschuhe anzuziehen, damit man den Stoff besser schieben kann. Ähm, also, ich bin ohne ausgekommen…

Hier kommt jetzt auch der Obertransportfuß der Nähmaschine ins Spiel. Der hat folgenden Sinn: Normalerweise transportiert die Nähmaschine den Stoff ja nur auf der Unterseite, mit den beiden kleinen Raupen in der Metallplatte unter dem Nähfuß. Da ihr hier aber drei dicke Lagen aufeinander durchschiebt, bekommt die oberste Lage von dem Transport der untersten herzlich wenig mit. Das kann dazu führen, dass sich die Lagen gegeneinander verschieben, was blöd wäre! Der Obertransportfuß transportiert – wie der Name es schon sagt – auch von oben nochmal mit, so dass die obere Stoffschicht ebenfalls in diesen Genuss kommt.

16. Alle Nähte nachgenäht? FAST GESCHAFFT! Jetzt fehlt nur noch die Umrandung, auch Einfassung oder Binding genannt. Weil mein Quilt schon fertig ist und ich euch die Arbeitsschritte also nicht mehr fotografisch dokumentieren kann, schaut am besten mal bei der gut erklärten Anleitung von Pech und Schwefel.

17. Wer mag, kann auf Vorder- oder Rückseite noch ein kleines Label aufnähen, mit Initialen, Datum der Fertigstellung oder was auch immer einem einfällt. Zum Beschriften am besten einen Stoffmarker verwenden, soll ja für die Ewigkeit sein!

Patchworkdecke beschriften

Und dann….

JUHU, ENDLICH FERTIG!!!

Patchworkdecke Quilt nähen Anleitung kostenlos

Hier noch ein (leider verschwommenes *hüstel*) Bild der Rückseite:

 

Angenehme Träume wünscht

Das Bastelschaf

Neues vom Bastelschaf Logo

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8 thoughts

      1. Ja ich stimme dir zu: Bei dem Aufwand sollte man sich da nur für SEHR besondere Anlässe oder Leute ranmachen 😉 Bei mir war es ja die Hochzeit meiner Schwester.
        Aber du kannst ja erst mal einen kleineren Quilt machen – eine Babydecke oder so. Das geht viel schneller und übt 🙂
        LG

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  1. halllo 🙂 bin über deinen blog gestolpert und ganz besonders von dieser wundervollen Tagesdecke begeistert!!
    Bin gespannt auf das, was noch alles kommt!
    Liebste Grüße,
    Kaddi

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